Schwarze Katze mit einer Tasse Kaffee in der Pfote und einer kleinen Fahne mit dem Logo von MB-Trainings

Ein schwieriges Gespräch, eine festgefahrene Situation oder die Frage, was KI im Arbeitsalltag wirklich bringt: Manche Themen verdienen einen zweiten Blick.

In Bottkes Kaffeepause greife ich solche Fragen auf – mit kurzen Videos, verständlichen Hintergründen und Beispielen aus der beruflichen und privaten Praxis.

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☕ Die aktuelle Kaffeepause

Drei Themen gehören zu jeder Ausgabe:

  • 🟣 Beratung & Supervision: Berufliche Situationen reflektieren und neue Handlungsmöglichkeiten entdecken.
  • 🟢 Kommunikation, Deeskalation & Sicherheit: Gespräche klarer führen, Spannungen erkennen und in schwierigen Situationen handlungsfähig bleiben.
  • 🔵 KI & digitale Kompetenz: Möglichkeiten verstehen, Grenzen erkennen und Anwendungen für die eigene Arbeit kennenlernen.
Ausgabe 01 · Lesezeit: ca. 5 Minuten Das Naheliegende täuscht. 🟣 Systemisches Denken · 🟢 Statusspiele · 🔵 Deepfake im Videoanruf Kaffeepause aufklappen ▾Kaffeepause zuklappen ▴

Guten Morgen – und willkommen zur ersten Ausgabe!

Ich bin leidenschaftlicher Frühaufsteher 😌. Diese Zeilen sind daher auch schon um 05:00 Uhr morgens entstanden, mit einer leckeren Tasse Kaffee und meinen drei Katzen neben mir, jede selbstverständlich auf ihrem Stammplatz.

Was mir am Morgen hilft: Ruhe, ein klarer Kopf – und eine Sache, die ich zu Ende denken kann, bevor der Tag dazwischenkommt.

Drei Katzen, drei Kinder. Beruflich übrigens auch drei: Beratung & Supervision, Kommunikation, Deeskalation & Sicherheit und KI & digitale Kompetenz.

Sie ahnen, worauf das hinausläuft: In jeder Kaffeepause stecken drei kurze Videos, eines aus jeder Säule. Unter jedem Video steht, worum es geht. Und darunter das, was in sechzig Sekunden keinen Platz findet. Ein Thema bekommt dabei mehr Raum als die anderen. Diesmal ist es der Status.

Die drei Themen von heute haben einen gemeinsamen Faden: Das Naheliegende täuscht. Bei der schnellen Erklärung, beim eigenen Auftreten und beim Gesicht auf dem Bildschirm.

Unterstrichene Fachbegriffe können Sie anklicken. Die Erklärung öffnet sich direkt auf dieser Seite, danach lesen Sie an derselben Stelle weiter.

🟣 01 · Beratung & Supervision

Systemisches Denken: Warum einfache Lösungen oft nicht ausreichen

Video ansehen: Systemisches Denken

1:15 Minuten · auf YouTube ansehen

Worum es geht: Verhalten ergibt erst im Kontext einen Sinn. Systemisch zu denken heißt: Ich betrachte Verhalten nicht isoliert, sondern immer im Zusammenhang mit dem Umfeld, in dem es entsteht. Wer nur auf die Person schaut, sieht die Hälfte. Im Video zeige ich das an einer Familie nach einem Todesfall: Ein Kind übernimmt plötzlich den Haushalt, ein anderes wird auffällig – beides sind Antworten auf dieselbe Lage.

Kurz gesagt: Die Frage lautet nicht „Was stimmt mit dem nicht?“, sondern „Welche Funktion hat dieses Verhalten hier?“

☕ Was heißt das für Sie – und wie nutzen Sie es?

Das Beispiel im Video kommt aus einer Familie. Im Beruf läuft es nach demselben Muster: Eine Person fällt auf, und alle schauen auf diese Person.

Wenn Ihnen jemand im Team, in der Klasse oder am Schalter das Leben schwer macht, helfen Ihnen diese drei Fragen, bevor Sie zur Maßnahme greifen:

  1. Seit wann eigentlich? Was hat sich kurz davor verändert – neue Leitung, neue Aufgaben, jemand weg?
  2. Was würde fehlen, wenn das Verhalten morgen aufhört? Unangenehme Frage. Oft erledigt jemand mit seinem Verhalten eine Aufgabe, die sonst niemand übernimmt – widersprechen, bremsen, aussprechen, was alle denken.
  3. Was tue ich selbst, das es am Laufen hält? Die dritte ist die unbequemste und die wirksamste. Sie ist auch die einzige, bei der Sie sofort etwas ändern können.

Der Gewinn ist nicht Harmonie. Der Gewinn ist Kraftersparnis: Sie hören auf, gegen eine Person zu arbeiten, und fangen an, an der Situation zu arbeiten.

Und Sie müssen dabei nicht recht behalten. Eine Annahme, die nicht trägt, wird verworfen – das ist kein Fehler, das ist die Methode.

Wann es allein nicht mehr geht

Kollegen stecken im selben System. Sie teilen die Annahmen, die das Problem mit erzeugen. Und sie haben ein Interesse am Ergebnis. Beides macht sie zu guten Kollegen – und nimmt ihnen genau den Abstand, den es hier bräuchte. Genau dafür gibt es Supervision.

Zum Weiterlesen: Arist von Schlippe und Jochen Schweitzer, Systemische Interventionen.

🟢 02 · Schwerpunkt · Kommunikation, Deeskalation & Sicherheit

Statusspiele: Wie Körpersprache Kommunikation beeinflusst

Video ansehen: Statusspiele

54 Sekunden · auf YouTube ansehen

Worum es geht: Statusspiele sind der bewusste oder unbewusste Einsatz von Körpersprache. Ich halte sie für eine der wirksamsten Möglichkeiten, eine Situation zu eskalieren – oder zu deeskalieren. Ob ich den Zeigefinger hebe oder aufstehe und jemandem an der Tür entgegengehe, entscheidet über den Verlauf, bevor das erste Wort gefallen ist.

Kurz gesagt: Wir reagieren stärker auf das Nonverbale als auf das Gesagte. Wer das weiß, setzt es ein. Wer es nicht weiß, setzt es trotzdem ein.

☕ Was heißt das für Sie – und wie nutzen Sie es?

Es gibt zwei Seiten – wie sicher oder unsicher Sie sich fühlen, und wie viel davon sichtbar wird. Beides kann weit auseinanderliegen. Die praktische Frage dahinter ist einfach: Stelle ich mich in den Mittelpunkt oder mein Gegenüber?

Der erhobene Zeigefinger ist ein Statussignal. Aufzustehen und jemandem an der Tür entgegenzugehen, ist auch eines – nur in die andere Richtung. Und das ist der Punkt: Wer aufsteht und entgegengeht, gibt Status ab und gewinnt damit die Situation. Hoher Status heißt eben nicht laut und dominant.

Die eine Frage vor dem schwierigen Gespräch

Gesteuert wird das über die innere Haltung. Wer denkt „der will mich vorführen“, steht anders da als jemand, der denkt „der ist überfordert“. Kein Wort gesprochen, Botschaft zugestellt. Deshalb reichen eingeübte Formulierungen selten: Ein deeskalierender Satz mit abwehrender Haltung deeskaliert nichts. Im Zweifel entscheidet die nonverbale Kommunikation.

Dazu kommt Ihre körperliche Verfassung: ausgeschlafen oder nicht, Schmerzen oder keine, Hunger oder satt. Beides zusammen ergibt Ihre Erwartungshaltung.

Ob und wie stark Sie sich ärgern, hängt deshalb nicht allein an der Lage. Es hängt auch am Abstand zwischen dem, was Sie erwartet haben, und dem, was tatsächlich kommt.

Daraus folgt die Frage, die Sie sich vor der Tür stellen können: Was erwarte ich gerade – und woher kommt das? Wer seine Erwartung kennt, macht den Abstand kleiner und braucht die Technik seltener.

Warum Sie freitags anders reagieren

Die Impulskontrolle ist keine feste Größe. Sie sinkt mit Müdigkeit, Schmerz, Hunger und Dauerbelastung. Dieselbe Person reagiert am Freitagnachmittag anders als am Dienstagmorgen. Der Charakter hat sich nicht geändert. Der Akku ist leer.

Praktisch heißt das: Schwierige Gespräche gehören in die Zeit, in der Ihr Akku voll ist. Das ist kein Luxus, sondern die billigste Deeskalationsmaßnahme, die es gibt.

Ein Versuch für diese Woche

Machen Sie in der nächsten angespannten Situation eine Sekunde länger Pause, bevor Sie antworten. Nur das. Eine Sekunde fühlt sich für Sie lang an und für Ihr Gegenüber souverän. Sie werden merken, wer von beiden die Pause zuerst füllt.

Zum Weiterlesen: Tom Schmitt, Status-Spiele.

Aus dem Seminar gefragt„Das ist mir zu theoretisch – können Sie das mal zeigen?“

Kann ich. Und ich mache es vor jedem Rollenspiel, weil Statusspiele erklärt wenig hergeben und gezeigt sofort einleuchten.

Ich bitte jemanden nach vorne und stelle mich dicht vor ihn. Erhobener Zeigefinger, Blick von oben herab, ernstes Gesicht. Ich unterschreite die Individualdistanz so weit, dass es fast eine Berührung wird, und dränge die Person langsam Richtung Ecke. Kein lautes Wort, keine Drohung, kein Vorwurf. Dann frage ich: Wie fühlen Sie sich damit?

Die Antwort ist jedes Mal dieselbe.

Danach setze ich mich im Schneidersitz vor dieselbe Person auf den Boden und lächle. Und hier passiert das eigentlich Interessante: Bevor ich überhaupt fragen kann, lächeln die meisten zurück und entspannen sich sichtbar. Dieselben zwei Menschen, derselbe Raum, wenige Sekunden später. Gesprochen wurde dazwischen kein Wort.

Danach fragt niemand mehr, ob Körpersprache wirkt.

Im Rollenspiel probieren wir beide Richtungen durch – und die Frage, die dabei am häufigsten kommt: Wie grenze ich mich ab, ohne laut zu werden?

Und was machen Sie damit?

Üben Sie dort, wo nichts auf dem Spiel steht. Wer eher im Tiefstatus unterwegs ist, sagt im Restaurant etwas, wenn tatsächlich etwas nicht stimmt: Das Besteck ist nicht sauber, das Glas auch nicht. Rausgeworfen wird dafür niemand – und Sie merken, wie sich so ein Satz im eigenen Mund anfühlt. Wer eher im Hochstatus unterwegs ist, macht das Gegenteil: sich irgendwo bewusst entschuldigen, sich einmal kleiner machen.

Der Grundsatz dahinter: Je weniger eine Situation Sie triggert, desto leichter lässt sich Status üben. Wer erst im Konflikt damit anfängt, übt nicht mehr. Der reagiert nur noch.

🔵 03 · KI & digitale Kompetenz

Deepfake im Videoanruf: Diese Frau existiert nicht

Video ansehen: Deepfake im Videoanruf

1:25 Minuten · auf YouTube ansehen

Worum es geht: Die Frau im Video gibt es nicht. Gesten, Mimik und Stimme stammen von mir – übertragen auf ein Gesicht, das eine KI erzeugt hat. Ich habe die Szene selbst gespielt. Der Aufwand dafür ist heute klein: eine gespielte Szene, ein erzeugtes Gesicht, eine getauschte Stimme.

Kurz gesagt: Gesichter, Stimmen und Bewegungen sind heute frei kombinierbar. Ein Videoanruf ist damit kein Echtheitsbeweis mehr.

☕ Was heißt das für Sie – und wie nutzen Sie es?

Kurz zur Technik, damit Sie einschätzen können, wie leicht das ist: Mimik und Gestik wurden mit Motion Control von Kling AI auf ein KI-Gesicht übertragen, die Stimme kam von einem Voice Changer. Dieselbe Aufnahme lässt sich auf beliebige Gesichter legen. Das Ausgangsvideo bleibt identisch.

Zur Einordnung: Mein Video ist eine nachträglich bearbeitete Aufnahme, kein manipulierter Live-Anruf. Beides geht inzwischen – der Aufwand ist unterschiedlich, das Ergebnis für den Zuschauer nicht.

Das Problem ist ohnehin nicht die Technik. Das Problem ist der Schluss, den wir seit jeher daraus ziehen: Wenn ich jemanden sehe und höre, ist er echt.

Die Regel

Wer etwas will, wird auf einem zweiten Weg bestätigt. Wenn am Bildschirm jemand eine Auskunft, eine Freigabe, eine Überweisung oder Zugangsdaten will, entscheidet nicht das Gesicht. Auflegen. Unter der Nummer zurückrufen, die Sie kennen – nicht unter der, die im Chat steht.

Der Satz dazu, der niemanden vor den Kopf stößt: „Ich rufe Sie gleich unter Ihrer Nummer zurück.“ Wer echt ist, versteht das. Wer sich dagegen wehrt, sollte Sie stutzig machen.

Zwei Stellen, an denen es konkret wird

Bewerbungsgespräche. Wer im Video sitzt, muss nicht der sein, der später anfängt – und nicht einmal existieren. Ein Termin vor Ort oder eine Ausweisprüfung beim Eintritt kostet wenig und schließt die Lücke.

Anrufe von „Vorgesetzten“. Eile plus Vertraulichkeit plus Geld ist das Muster. Legen Sie im Team vorher fest, dass Zahlungen nie im Videocall freigegeben werden. Diese Regel schützt auch den, der sie befolgt – er muss dann nämlich nicht mutig sein.

KI ist faszinierend. Aber nicht alles, was echt wirkt, ist auch echt.

Das war die erste Kaffeepause. Die Tasse ist leer, die Katzen schlafen wieder.

Wenn etwas davon brauchbar war: Leiten Sie es weiter – an jemanden, dem es gerade genauso geht 😎.

In drei Wochen gibt es die nächste.
Mark Bottke

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